Die TER wirkt klein und kostet über Jahrzehnte schnell fünf- bis sechsstellige Beträge. Was in den laufenden Kosten steckt, was sie nicht zeigt und wie du Fonds und ETFs fair vergleichst.
Die TER (englisch Total Expense Ratio, deutsch Gesamtkostenquote) gibt an, wie viel Prozent des Fondsvermögens ein Fonds pro Jahr für Verwaltung, Depotführung und Ähnliches abzieht. Du bekommst dafür nie eine Rechnung: Die Kosten stecken im Fondspreis, der Kurs steigt einfach etwas weniger, als der Markt hergibt. Genau deshalb unterschätzen viele, was ein scheinbar kleiner Prozentsatz über Jahrzehnte ausmacht.
Kosten wirken wie eine negative Rendite, und zwar auf das gesamte Vermögen, jedes Jahr, mit Zinseszins. Ein Beispiel mit 500 € Sparrate im Monat über 30 Jahre, insgesamt also 180.000 € Einzahlung, bei 7 % Marktrendite vor Kosten:
| Jährliche Kosten | Rendite nach Kosten | Vermögen nach 30 Jahren | |---|---|---| | 0 % (Referenz, gibt es nicht) | 7,0 % | rund 584.700 € | | 0,2 % (breiter Index-ETF) | 6,8 % | rund 563.600 € | | 1,5 % (teurer aktiver Fonds) | 5,5 % | rund 445.500 € |
Zwischen dem günstigen und dem teuren Produkt liegen rund 118.000 €. Das ist deutlich mehr als die Hälfte dessen, was du insgesamt eingezahlt hast. Die Zahlen sind ein Rechenbeispiel mit gleichbleibender Rendite und ohne Steuern, keine Prognose; die Größenordnung bleibt aber bei anderen Annahmen dieselbe.
Wer von seinem Depot lebt, zahlt die Kosten auf ein großes Vermögen. Bei 1.000.000 € kostet 1 % Gebühren 10.000 € im Jahr. Nach der 4-%-Regel entnimmst du 40.000 €, ein Viertel davon ginge also allein für Kosten drauf. Die historischen Untersuchungen hinter der Regel rechnen mit Marktrenditen, von denen keine Fondskosten abgezogen sind. Wer teuer investiert, kann deshalb weniger sicher entnehmen.
Gleiches mit Gleichem. Zwei Fonds sind nur dann vergleichbar, wenn sie denselben oder einen sehr ähnlichen Markt abbilden. Ein Welt-ETF und ein Fonds mit Schwellenländer-Anleihen haben unterschiedliche Kosten aus gutem Grund.
Die TER ist ein Kriterium, nicht das einzige. Auch Fondsgröße, Indexauswahl und die Frage, ob der Fonds ausschüttet oder thesauriert, gehören in die Entscheidung. Ein Unterschied von 0,05 Prozentpunkten spielt dabei kaum eine Rolle, ein Unterschied von einem ganzen Prozentpunkt dagegen sehr.
Weniger Umschichtungen. Jeder Verkauf kostet Gebühren und kann Steuern auslösen. Wer selten umschichtet, zum Beispiel über neue Einzahlungen statt Verkäufe, hält beides klein. Wie ein Verkauf steuerlich läuft, erklärt die Entnahmereihenfolge.
Im Zinseszins-Rechner siehst du den Effekt sofort: Rechne einmal mit der erwarteten Rendite und einmal mit der Rendite abzüglich der Kosten und vergleiche das Endvermögen. Trägst du im FIRE-Rechner die Rendite nach Kosten ein, gilt das Zielvermögen für dein tatsächliches Depot.