FIRE-Rechner drehen sich um Sparquote und Rendite — der größte Hebel steht aber oft noch davor: das eigene Einkommen.
Humankapital bezeichnet den Barwert deiner künftigen Arbeitskraft — vereinfacht: die Summe aller Gehälter, die du über den Rest deines Erwerbslebens noch verdienen wirst, auf heute abgezinst. Zu Beginn der Karriere ist dieses Humankapital für die meisten Menschen weit größer als ihr bereits angespartes Finanzkapital — ein Grund, warum die Einkommensseite in FIRE-Diskussionen oft zu wenig Beachtung bekommt, obwohl sie dort den größten ungenutzten Hebel darstellt.
Wie im Artikel zur Sparquote beschrieben, hat die Sparquote zwei Seiten: was du ausgibst, und was du verdienst. Ausgaben senken wirkt doppelt, weil es gleichzeitig mehr Sparrate freisetzt und die FIRE-Zahl selbst senkt — dieser Hebel hat aber eine natürliche Untergrenze bei den Fixkosten des Lebens. Einkommen steigern hat diese Untergrenze nicht: Eine Gehaltssteigerung, die vollständig in die Sparrate fließt statt in den Lebensstil, wirkt genauso stark auf das FIRE-Datum wie eine entsprechende Ausgabenkürzung — nur ohne die Belastung, weiter zu kürzen.
Bei einem sehr niedrigen Einkommen ist oft wenig Substanz für eine höhere Sparquote da, egal wie konsequent gekürzt wird — dort ist die Einkommensseite häufig der einzig wirksame Hebel überhaupt. Bei einem bereits hohen Einkommen kehrt sich das eher um: Eine weitere Gehaltssteigerung bringt wenig, wenn sie ohnehin fast vollständig gespart wird — dort zählt vor allem, den Lebensstil nicht parallel mitwachsen zu lassen (siehe Frugalismus). Am stärksten wirkt die Kombination aus beidem: das Einkommen steigern und den dadurch gewonnenen Spielraum bewusst der Sparquote zuschlagen, statt ihn im Lebensstil verschwinden zu lassen.