Regelmäßig investieren glättet den Einstiegspreis und die eigenen Nerven — rechnerisch schlägt die Einmalanlage den Sparplan trotzdem meistens. Beides erklärt.
Der Cost-Average-Effekt (auch Durchschnittskosteneffekt) beschreibt, was passiert, wenn regelmäßig derselbe Betrag investiert wird statt einer einmaligen Summe: Bei niedrigen Kursen kauft dieselbe Rate automatisch mehr Anteile, bei hohen Kursen automatisch weniger. Über die Zeit ergibt sich daraus ein durchschnittlicher Einstiegspreis, der nie zufällig den ungünstigsten Einzeltag trifft.
Der Effekt wird oft als Renditevorteil missverstanden — mathematisch ist er das nicht. Da Aktienmärkte historisch über die meiste Zeit steigen, ist ein möglichst früher, vollständiger Einstieg (die Einmalanlage) im Erwartungswert meistens im Vorteil: Das Geld ist länger investiert und arbeitet länger mit Zinseszins, statt in Tranchen erst nach und nach an den Markt zu kommen. Studien, die beide Strategien historisch vergleichen, kommen wiederholt zu diesem Ergebnis — die Einmalanlage gewinnt in der Mehrheit der untersuchten Zeiträume.
Der wahre Wert des Cost-Average-Effekts liegt woanders: Er nimmt die Entscheidung "ist gerade ein guter Zeitpunkt?" komplett aus der Gleichung — eine Frage, die sich im Voraus ohnehin nicht zuverlässig beantworten lässt. Wer eine größere Summe auf einen Schlag investieren müsste, direkt bevor der Markt fällt, erlebt das oft als deutlich schmerzhafter, als wenn dieselbe Summe über Monate verteilt investiert wurde und nur ein Teil vom Rückgang betroffen ist. Für viele überwiegt dieser Ruhe-Effekt den kleinen statistischen Nachteil — vor allem, wenn die Alternative sonst wäre, aus Angst vor dem "falschen" Zeitpunkt gar nicht zu investieren.
Für die meisten FIRE-Sparer stellt sich die Frage ohnehin selten in Reinform. Wer monatlich aus dem laufenden Einkommen investiert, praktiziert automatisch den Cost-Average-Effekt — es gibt schlicht keine große Einmalsumme, die alternativ auf einen Schlag angelegt werden könnte. Die Wahl zwischen beiden Strategien wird vor allem dann relevant, wenn tatsächlich eine größere Summe auf einmal zur Verfügung steht — etwa aus einer Erbschaft, einem Bonus oder einem Verkaufserlös.
Kein Anlagerat, keine Empfehlung für eine bestimmte Strategie — nur die Mechanik und der bekannte Forschungsstand dazu.