Die sichere Entnahmerate (SWR) bestimmt, wie lange dein Vermögen im Ruhestand reicht — was hinter der 4-%-Regel steckt und wo ihre Grenzen liegen.
Die sichere Entnahmerate (englisch Safe Withdrawal Rate, kurz SWR) ist der Prozentsatz deines Vermögens, den du im ersten Ruhestandsjahr entnehmen kannst — und danach jedes Jahr um die Inflation angepasst —, ohne dass dir das Geld vor deinem Lebensende ausgeht. Die bekannteste, konkrete Zahl dazu ist die 4-%-Regel aus der Trinity-Studie (1998).
Wie du deine eigene Zahl konkret berechnest, zeigt dir der 4-%-Regel-Rechner — hier geht's um das Konzept dahinter: woher die Zahl kommt, warum kleine Unterschiede so viel ausmachen, und wo ihre Schwächen liegen.
Modellrechnung bei angenommener 3 % realer Rendite p.a. (nach Inflation), ohne Schwankungen — die 4 %-Regel ist hervorgehoben.
Der Unterschied zwischen 3,5 % und 5 % Entnahme klingt klein — bedeutet aber oft die Differenz zwischen "hält für immer" und "reicht spürbar kürzer". Der Grund: Bei niedriger Entnahme trägt allein die Rendite den Löwenanteil, das Vermögen muss sich kaum noch selbst abbauen. Steigt die Entnahmerate über die Rendite, beginnt das Kapital zu schrumpfen — und zwar zunehmend schneller, weil auf einen kleineren Restbetrag prozentual dieselbe Last wirkt.
Die Trinity-Studie hat drei Einschränkungen, die in der schnellen "× 25"-Faustformel oft untergehen:
1. Sie basiert auf einem 30-Jahres-Horizont. Wer mit 65 in Rente geht, kommt damit meist gut hin. Wer mit 40 FIRE erreicht, plant eher für 50+ Jahre — und für so lange Zeiträume sinkt die historische Erfolgsquote von 4 % spürbar. Viele in der Community rechnen deshalb eher mit 3–3,5 %.
2. Sie basiert auf US-Marktdaten. Historische deutsche oder globale Portfolios hätten teils andere Ergebnisse geliefert — die 4 % sind kein universelles Naturgesetz, sondern das Resultat eines bestimmten Marktes über einen bestimmten Zeitraum.
3. Sie unterstellt eine gleichmäßige Rendite — real schwanken die Märkte. Und genau wann die schlechten Jahre kommen, entscheidet oft mehr als der Durchschnitt über die gesamte Laufzeit: Ein Crash kurz nach deinem FIRE-Datum trifft dein Portfolio ganz anders als derselbe Crash zehn Jahre später. Dieses Sequence-of-Returns-Risiko ist ein eigenes Thema im FIRE-Handbuch.
Deshalb behandeln viele in der FIRE-Community 4 % eher als Ausgangspunkt statt als starre Grenze — mit Puffern wie einer flexiblen Entnahme in schlechten Jahren, einer Cash-Reserve, oder eben einer bewusst niedrigeren Rate.