Der FIRE-Rechner simuliert 1.000 zufällige Renditeverläufe ab deinem FIRE-Datum und zeigt, in wie vielen davon dein Kapital bis zum Planungshorizont reicht. Die Dashboard-Kachel stellt die Gegenfrage: Wie sicher reicht die Zeit bis zum Zielalter?
Der Vermögensverlauf im FIRE-Rechner rechnet mit einer festen Rendite pro Jahr — eine Punktschätzung. An der Börse gibt es diese Gleichmäßigkeit nicht: Ein paar schlechte Jahre kurz nach dem Ausstieg können dasselbe Depot leerlaufen lassen, das mit denselben Jahren in anderer Reihenfolge locker gehalten hätte (das Sequence-of-Returns-Risiko). Die Karte „Erfolgswahrscheinlichkeit · Entnahmephase" macht dieses Risiko sichtbar. Die Dashboard-Kachel „Dein FIRE-Status" nutzt dieselbe Simulation für die Zeit davor — siehe unten.
Was die Zahl bedeutet
Der Rechner spielt 1.000 zufällige Verläufe ab deinem FIRE-Datum durch. In jedem Verlauf schwankt die Jahresrendite zufällig um deine eingestellte Entnahme-Rendite — mal ein Crash-Jahr, mal ein Boom-Jahr. Entnahme, Rente, weitere Einkünfte, Inflation und Steuer sind dabei dieselben wie im Verlauf darüber.
Die große Prozentzahl ist der Anteil der Verläufe, in denen dein Kapital bis zum Planungshorizont nicht aufgebraucht ist. Zur Einordnung:
- solide — mindestens 85 % der Verläufe halten durch
- knapp — 70 bis 84 %
- kritisch — unter 70 %
Als Faustregel: Die klassische 4-%-Regel kam in der historischen Rückrechnung auf rund 95 % Erfolg über 30 Jahre; wer länger plant oder mehr entnimmt, landet darunter. Scheitern mehr als 10 % der Verläufe, nennt die Karte zusätzlich das Alter, ab dem die schlechtesten 10 % leer sind.
Das Fächerdiagramm
Das Diagramm zeigt, wie weit die Verläufe auseinanderlaufen: Die dunkle Fläche deckt die mittlere Hälfte aller Verläufe ab (25 bis 75 %), die helle Fläche 80 % (10 bis 90 %), die Linie ist der Median. Berührt die untere Kante der hellen Fläche die Nulllinie, ist in mindestens jedem zehnten Verlauf das Kapital an dieser Stelle aufgebraucht. Alle Werte sind real, also in heutiger Kaufkraft — wie die Real-Ansicht des Vermögensverlaufs.
Die zwei Regler
- Volatilität — die Standardabweichung der Jahresrendite deines Portfolios in der Entnahmephase. Ein breit gestreuter Welt-Aktien-ETF schwankt langfristig mit etwa 15 % pro Jahr, ein 60/40-Mischportfolio aus Aktien und Anleihen mit etwa 10 %, Tagesgeld praktisch gar nicht. Bei 0 % ist die Simulation exakt der Vermögensverlauf darüber. Hast du ein Portfolio erfasst, steht unter dem Feld der Vorschlag „Aus deiner Allokation": die nach Wert gewichtete Schwankungsbreite deiner Anlageklassen (Welt-ETF 15 %, Einzelaktien 20 %, Anleihen 5 %, Gold 15 %, Krypto 60 %, Tagesgeld 1 %, Giro und Bargeld 0 %; eigene Kategorien zählen mit 10 %). Ein Klick übernimmt den Wert ins Feld — danach ist er ein normaler Feldwert, den du jederzeit überschreiben kannst. Die Gewichtung ist bewusst einfach und rechnet ohne Diversifikationsgutschrift zwischen den Klassen, fällt also eher etwas zu hoch als zu niedrig aus; mehr als 40 % lässt das Feld nicht zu.
- Planen bis Alter — bis zu diesem Alter soll das Kapital reichen. Voreingestellt ist 95, bewusst deutlich über der statistischen Lebenserwartung: Wer den Horizont zu kurz wählt, plant das teuerste Risiko (länger leben als das Geld reicht) weg.
Beide Werte werden mit deinen gespeicherten Szenarien und dem Basisszenario gesichert und wandern mit in die Synchronisierung.
Auf dem Dashboard: Reicht die Zeit bis zum Zielalter?
Die Kachel „Dein FIRE-Status" auf /app/portfolio stellt die umgekehrte Frage: nicht „Hält das Kapital?", sondern „Reicht die Zeit bis zum Ziel?". Dafür spielt sie 1.000 zufällige Verläufe deiner Ansparphase durch — mit deinem aktuellen Portfoliowert, deiner Sparrate und derselben Streuung der Jahresrenditen wie im Rechner. Jeder Verlauf endet, sobald er dein Zielvermögen zum ersten Mal erreicht; mit Rentenlücke oder befristeten weiteren Einkünften wird das Ziel dabei für jedes Alter neu bestimmt, genau wie in der Punktschätzung.
- Die Prozentzahl ist der Anteil der Verläufe, die das Zielvermögen bis zu deinem Zielalter erreichen — hast du keins gesetzt, bis zum Renteneintritt. Das ist derselbe Maßstab, an dem auch die Ampel „Auf Kurs" misst. Bewusst nicht das angezeigte FIRE-Datum selbst: Das liegt in der Mitte der Verteilung, die Quote läge dort immer nahe 50 % und sagte nichts aus. Die Einstufung solide/knapp/kritisch folgt denselben Schwellen wie im Rechner.
- „Früher in … %, später in … %" vergleicht die Verläufe mit dem angezeigten FIRE-Datum: wie viele davor ankommen, wie viele danach — und in Klammern der typische Abstand (Median der jeweiligen Gruppe). Weil ein Verlauf beim ersten Erreichen zählt, landen meist etwas mehr Verläufe vor dem Datum als dahinter, auch bei symmetrisch streuenden Renditen. Kommt die Mehrheit der späteren Verläufe bis zum Ende des Rechenhorizonts (60 Jahre) gar nicht an, steht das dort statt eines Abstands.
- Die Volatilität kommt aus dem Basisszenario (das Feld im Rechner). Hast du dort keinen Wert gespeichert, rechnet die Kachel mit der Schwankungsbreite deiner Allokation (dieselbe Gewichtung wie „Aus deiner Allokation" oben), erst danach mit dem Standardwert 15 %. Das Info-Symbol neben der Überschrift nennt den verwendeten Wert und seine Quelle.
Was die Simulation bewusst vereinfacht
- Die Renditen streuen lognormal (ein Jahr kann nie mehr als 100 % verlieren), ohne Gedächtnis von Jahr zu Jahr — echte Märkte haben Trends und Erholungen, die das Modell nicht kennt.
- Inflation und Steuer sind fix, nicht zufällig. Die Steuerlast wird mit dem geschätzten Gewinnanteil aus der Steuer-Schätzung berechnet, nicht je Verlauf neu.
- Zwei getrennte Fragen, zwei getrennte Simulationen. Die Karte im Rechner simuliert nur die Entnahmephase ab dem FIRE-Datum der Punktschätzung, die Dashboard-Kachel nur die Ansparphase bis zum Zielvermögen. Ein Verlauf, der früh ankommt und später einbricht, wird nicht durchgerechnet — dafür ist die Entnahme-Karte da. In der Ansparphase federt die laufende Sparrate Einbrüche ab (Cost-Average-Effekt), deshalb schwankt dort eher das Datum als das Ergebnis.
- Es ist eine Modellrechnung mit deinen Annahmen — keine Prognose und keine Anlageberatung.
Wenn die Zahl zu niedrig ist
Die wirksamsten Hebel stehen im selben Rechner: eine niedrigere Entnahmerate (mehr Zielvermögen), eine geringere Volatilität durch einen sichereren Portfolio-Mix, weitere Einkünfte in den ersten Entnahmejahren oder ein späteres Ziel-Alter mit mehr Kapitalpuffer. Hintergrund und weitere Strategien: Sequence-of-Returns-Risiko im FIRE-Handbuch.
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