Kompoundr
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FIRE-Handbuch

Bucket-Strategie: Drei Töpfe für die Entnahmephase

Die Bucket-Strategie teilt das Vermögen im Ruhestand nach Zeithorizont auf — ein Cash-Topf für die nächsten Jahre, ein Puffer dahinter, ein Wachstumstopf für alles Weitere. Wie sie funktioniert, was sie wirklich leistet und wo ihre Grenzen liegen.

Die Bucket-Strategie (auch Drei-Töpfe-Modell) ordnet das Vermögen in der Entnahmephase nicht nach Anlageklasse, sondern nach dem Zeitpunkt, zu dem du das Geld brauchst. Was in den nächsten Jahren ausgegeben wird, liegt sicher und schwankungsarm; was erst in zehn oder zwanzig Jahren gebraucht wird, bleibt im Aktienmarkt investiert. Der Zweck ist derselbe wie beim Cash-Puffer: nie in einem Crash-Jahr aus dem eingebrochenen Depot entnehmen zu müssen.

Die drei Töpfe

  • Topf 1 — Liquidität. Ein bis drei Jahresausgaben auf Tagesgeld, Geldmarktfonds oder kurz laufendem Festgeld. Aus diesem Topf lebst du; er darf nicht schwanken.
  • Topf 2 — Puffer. Weitere drei bis sieben Jahresausgaben in Anleihen mittlerer Laufzeit oder Festgeldleitern. Er wirft etwas mehr ab als Topf 1, ist aber noch weit vom Aktienrisiko entfernt.
  • Topf 3 — Wachstum. Der Rest, meist der größte Teil, in breit gestreuten Aktien-ETFs. Er soll über Jahrzehnte die Rendite liefern, die das ganze Modell trägt.

Zusammengenommen ergibt sich daraus eine Asset-Allokation: Wer zwei Jahre in Topf 1 und fünf Jahre in Topf 2 hält und mit 4 % Entnahme rechnet, hat rund 28 % des Vermögens in sicheren Anlagen und 72 % in Aktien.

Wie das Nachfüllen funktioniert

Die Töpfe bleiben nur sinnvoll, wenn sie regelmäßig aufgefüllt werden. Die gängige Regel: Am Jahresende wird geprüft, ob der Aktienmarkt gut gelaufen ist. Wenn ja, werden Gewinne aus Topf 3 verkauft und nach unten durchgereicht, bis Topf 1 und 2 wieder ihre Zielgröße haben. War das Jahr schlecht, wird nichts verkauft — du lebst weiter aus den sicheren Töpfen und gibst dem Depot Zeit, sich zu erholen. Genau darin liegt der Schutz vor dem Sequence-of-Returns-Risiko: Die Verkäufe finden nur in guten Jahren statt.

Manche füllen unabhängig von der Marktlage jährlich auf, andere erst, wenn Topf 1 unter eine Schwelle fällt. Wichtig ist weniger die konkrete Regel als dass es eine gibt — ohne festes Verfahren wird jede Entscheidung zur Bauchentscheidung, und die fällt in Krisen selten gut aus.

Was sie wirklich leistet — und was nicht

Rein rechnerisch ist die Bucket-Strategie nichts anderes als eine Allokation mit einem festen Anteil sicherer Anlagen plus Rebalancing. Vergleichsrechnungen zeigen keinen systematischen Renditevorteil gegenüber einem klassischen Portfolio, das jährlich auf seine Zielquote zurückgesetzt wird. Wer die Töpfe als Rendite-Trick versteht, wird enttäuscht.

Ihre Stärke liegt woanders: in der Übersetzung einer abstrakten Prozentquote in eine greifbare Frage — wie viele Jahre kann ich leben, ohne verkaufen zu müssen? Wer im Crash weiß, dass die nächsten fünf Jahre gedeckt sind, hält eher durch, als wer nur eine Aktienquote von 70 % vor sich sieht. Diese Verhaltenswirkung ist der eigentliche Nutzen, und sie ist nicht klein: Die meisten Fehler in der Entnahmephase entstehen nicht durch falsche Mathematik, sondern durch panische Verkäufe zur Unzeit.

Die Grenzen

  • Rendite-Verzicht. Fünf bis zehn Jahresausgaben außerhalb des Aktienmarkts kosten langfristig Rendite und verlieren an Kaufkraft. Bei einer Entnahmerate von 4 % sind zehn Jahresausgaben bereits 40 % des Vermögens — das ist eher eine konservative Allokation als ein kleiner Puffer.
  • Nachfüll-Disziplin. Wer nach einem guten Aktienjahr nicht verkauft, weil es gerade so gut läuft, lässt den Aktienanteil unbemerkt anwachsen. Wer nach schlechten Jahren die leeren Töpfe nicht wieder aufbaut, hat den Schutz beim nächsten Crash nicht mehr.
  • Steuern. Jedes Nachfüllen ist ein Verkauf und löst Kapitalertragsteuer auf die Gewinne aus (welche Anteile dabei zuerst dran sind: Entnahmereihenfolge). Ein Portfolio, das denselben Sicherheitsanteil über Ausschüttungen und gezielte Verkäufe hält, kommt oft mit weniger Transaktionen aus.
  • Komplexität. Drei Töpfe mit Nachfüllregeln sind mehr Pflege als eine feste Allokation. Wer sich nicht mit dem Portfolio beschäftigen will, ist mit einem einfachen Sicherheitsanteil plus jährlichem Rebalancing meist genauso gut bedient.

Mit Kompoundr

Kompoundr kennt keine Töpfe als eigenes Feature, aber die Kategorien bilden die Aufteilung von allein ab: Tagesgeld und Festgeld zählen zu Sicherheit, ETFs und Aktien zu Wachstum. Die Risikoverteilung-Kachel zeigt dir, wie viel Prozent deines Vermögens in sicheren Anlagen liegt und ob das deinem Ziel entspricht; der Rebalancing-Plan rechnet aus, welche Beträge umzuschichten wären — das ist genau der Nachfüllschritt der Bucket-Strategie. Mit dem Entnahme-Rechner prüfst du, wie viele Jahre dein Vermögen bei ungünstiger Renditereihenfolge trägt.

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